Formel der relativen Lebenszeit  -   von Isabell Hafner






Oft scheint die Zeit zu rasen. Manchmal steht sie still!

Unsere subjektiv empfundene Zeit – ich nenne sie die relative Zeit - läuft nicht synchron mit den Zeigern auf unserer Armbanduhr, der objektiven Zeit – ich nenne sie auch die absolute Zeit.

Unsere Zeitwahrnehmung läuft scheinbar wie parallel zur Uhr, aber nicht immer in der gleichen Geschwindigkeit. Die relative Zeit und die absolute Zeit weichen voneinander ab. Sie treffen sich dann und wann zu bestimmten Zeitpunkten auf dem Zeitstrahl, um wieder voneinander abzuweichen.

Unterhält man sich mit älteren Menschen, so kommt noch eine weitere Komponente hinzu:

Das Gefühl, dass die subjektiv empfundene Zeit in der Maßeinheit „Jahre“ im Alter schneller vergeht als in Kindertagen. Kaum hat man sich zu Silvester zugeprostet steht schon wieder Weihnachten vor der Tür. Die Welt scheint sich immer schneller und schneller zu drehen.
Die relative Zeit läuft im Alter schneller als in der Jugend.

Und noch was:

Als Kind dachte ich schon immer auf der Welt gewesen zu sein. Ich konnte mir keinen Zeitpunkt vor meiner Geburt vorstellen. Mein absolutes Alter war zwar 5 Jahre, aber meine subjektiv wahrgenom-mene Zeitspanne war unendlich lang. Daraus folgere ich:
Die relative Vergangenheit eines Menschen ist unendlich.

Oder anders ausgedrückt:
Angenommen ein Kind kam im Zeitpunkt t0 zur Welt und feiert seinen fünften Geburtstag im Zeitpunkt t5. Dann würde das Kind die Zeitspanne zwischen t0 und t5 als eine ewig lange Zeitspanne empfinden nämlich seine relative Ewigkeit. Tatsächlich - also objektiv betrachtet - beträgt diese Zeitspanne exakt fünf Jahre.

All diese Thesen führen zu folgender mathematischer Berechnung:

Der Zeitraum zwischen t5 und t6, also der Zeit bis das Kind - ausgehend von seinem fünften Geburtstag - sechs Jahre alt wird, beträgt objektiv gesehen ein Jahr. Für das Kind selber beträgt dies jedoch ein Fünftel seines bisherigen Lebens: Also ein Fünftel seiner bisherigen Ewigkeit.

Der Zeitraum zwischen t6 und t7, also der Zeit bis das Kind - ausgehend von seinem sechsten Geburtstag - sieben Jahre alt wird, beträgt objektiv gesehen ein Jahr. Für das Kind selber beträgt dies jedoch ein Sechstel seines bisherigen Lebens: Also ein Sechstel seiner bisherigen Ewigkeit.

Der Zeitraum zwischen t7 und t8, also der Zeit bis das Kind - ausgehend von seinem siebten Geburtstag - acht Jahre alt wird, beträgt objektiv gesehen ein Jahr. Für das Kind selber beträgt dies jedoch ein Siebtel seines bisherigen Lebens: Also ein Siebtel seiner bisherigen Ewigkeit.

usw.

Geht man davon aus, dass wir unsere Welt mit 5 Jahren voll wahrnehmen und eine Lebenserwartung von ca. 75 Jahren hätten, dann würde sich folgende Formel c.p. ergeben:

Dies ist aber ungefähr:

Jetzt ist natürlich interessant zu sehen, wo wir unsere absolute und wo wir unsere relative Lebensmitte haben.

Absolut gesehen haben wir 70 bewusste Lebensjahre. Die Hälfte wäre dann 35 Jahre. Bedenken wir, dass wir oben angenommen haben, dass wir erst ab 5 Jahren voll bewusst leben, dann wäre die absolute Lebensmitte ungefähr bei 40 Jahren.

Relativ gesehen müssen wir folgendermaßen rechnen:
Der relative Wert liegt bei 2,70805. Die Hälfte wäre dann bei 1,354025. Auch hier müssen wir den Wert für die ersten 5 Jahre =1,60943 addieren. Es ergibt sich ein relativer Wert von: 2,963455. Dieser relative Wert muss aber noch in die absolute Zeit umgerechnet werden:

Es folgt: 19,4 Jahre

Dann wäre die relative Lebensmitte ungefähr bei 19 Jahren.

Dies alles sind Spekulationen und nur mit den gegebenen Rahmenbedingungen haltbar. Nicht berücksichtigt ist zum Beispiel, dass wir ja auch vieles wieder vergessen und so die relative Vergangenheit im Zeitablauf immer kürzer wird und die relative Gegenwart dadurch wieder länger erscheint.

Aber es ist anzunehmen, dass die relative Mitte des Lebens - also die subjektiv wahrgenommene Mitte des Lebens - vor der absoluten Mitte des Lebens liegt.

Isabell Hafner (>>>Mail)