mit welchem ich dieses Essay auch begann:

Der anfangs erwähnte Wellenreiter er-fährt die Realität in der Richtung seiner Bewegung und nicht in der Richtung ihrer eigenen Entwicklung. Diese naturgemäß hinkende Analogie ist doch gut genug, um die Sache auf den Punkt zu bringen.

Oder doch nicht? Wenn Sie das Essay gelesen haben, wissen Sie: Ich habe das glitschige Thema "Zeit" von allen Seiten angepackt, - und es rutschte mir immer wieder aus den Händen heraus. Das ist sehr förderlich - wir haben jede Sekunde etwas Großartiges vor den Augen. Etwas, was wir mit unserem Verstand nie gut begreifen werden.

Vor kurzem habe ich einen achtjährigen Jungen gehört, wie er einen anderen Knirps aufklärte: "Es ist schon fast Alles in der Welt entdeckt worden." Diesen Gedanken hatte auch ich in seinem Alter, und er rief in mir damals das Gefühl einer allumfassend langweiligen Sicherheit hervor. Fische im Aquarium, aber auch viele unserer Artgenossen schaffen es, mit dieser Grundüberzeugung ihr Leben lang nur das Aquarium-Innere zu erforschen. Und machen dabei auch wirklich faszinierende Entdeckungen! Mich beruhigt allerdings, dass diese kindliche Illusion, fast alles verstanden zu haben, uns nicht lückenlos verklären kann. Und sie ändert Nichts an der Tatsache, dass dieses "fast alles" sich nur auf einen kleinen Bereich des kosmischen Bewusstseins bezieht - auf das menschliche raumzeitliche Weltbild im Zustand einer vernunftkontrollierten Wahrnehmung.

Der Bewusstseinsforscher Stanislav Grof kritisiert "die Tendenz vieler Wissenschaftler, an überholten Theorien nicht nur festzuhalten und sie auf andere Gebiete zu übertragen, sondern sie mit exakten und definitiven Beschreibungen der Wirklichkeit zu verwechseln. Infolgedessen neigen sie dazu, Ergebnisse abzulehnen, die nicht in ihr theoretisches Gerüst passen, statt sie als Anstoß zur Änderung ihrer Theorien zu begreifen."

An dieser Stelle füge ich gerne hinzu, - was die Wissenschaft tut, erleben wir tagtäglich und allgewaltig auch in unserem eigenen Kopf. Der gesunde menschliche Verstand hält seine Interpretation der Wirklichkeit, sein Weltbild - für die eigentliche Realität. Demzufolge hält auch der Wissenschaftler seine Theorie nicht für eine spezielle Interpretation einer totalen Interpretation, sondern eben für das Abbild der Realität. Diese in der modernen Logik als "fehlerhafte logische Typisierung" (oder nach Bateson als "Verwechslung der Speisen mit der Speisekarte") bezeichnete Denkfunktionalität bildet das Fundament unserer Welt-und Selbstdefinition. Sie mag logisch fehlerhaft sein, - sinnvoll und unverzichtbar ist sie trotzdem. Denn Integrität und Kontinuität des Phänomens Mensch sind unvergleichlich wichtiger als eine "korrektere" Weltanschauung.

Paradoxerweise ist auch das gegenteilige Streben - aus dem Aquarium heraus - sinnvoll. Ich sehe darin eine duale Aufgabe der Menschheit. Einerseits sich mit unserer Wirklichkeit zu identifizieren, daran zu glauben, sie zu erforschen und die raumzeitlichen Spielregeln einzuhalten. Andererseits aus diesem Zustand die übergeordneten Zusammenhänge doch noch durchzublicken, Universum tiefer zu begreifen und dadurch das Ganze zu verweben, das Intelligenz-Netz weiter auszubauen, Bewusstsein-"Links" auf Urdimension zu setzen.

Da ich mich intellektuell eher der zweiten Kraft verpflichtet fühle, werde ich Sie, liebe Leser, jetzt noch mal kurz mit den wichtigsten Thesen dieser Schrift bombardieren. Schließlich sind wir im Epilog, wo man die Quintessenz des bereits Gepredigten möglichst dick aufs Brot schmiert. Also:
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1. Das Universum ist eine aktive, sich erkennende Intelligenz. Ihre Selbstwahrnehmung ist die teilende, differenzierende Kraft der Schöpfung. Das kosmische Bewusstsein sondert in sich Bereiche ab, wo es eine Spaltung in Energie und Information vollzieht. Aus unzähligen Kombinationen dieser Komponente werden dauernd Phänomene geschaffen.

2. Zunahme der Intensität ist die Richtung aller Entwicklung. Die Realität wächst zeitfrei aus der Wahrscheinlichkeit in die Manifestation. Zeitlich formuliert, nähern sich alle Phänomenprozesse aus der niedrig frequentierten Zukunft der höher frequentierten Gegenwart, dem Wahrnehmungspunkt.

3. Unsere materielle Wirklichkeit stellt keine selbstständige Realität dar, sie ist eine Projektion des mehrdimensionalen Universums auf unser raumzeitliches Sinneskonstrukt. Das vom Gehirn produzierte virtuelle dreidimensionale Weltbild mit einer linearen Zeit ist kein Abbild einer äußeren fassbaren Wirklichkeit. Materielle Wirklichkeit als solche ist dieses Hirnprodukt. Unsere dingliche Welt wird dauernd aus den Sinneseindrücken im Hirn kombiniert. Diese Virturealität ist eine der sinnvollen Interpretationen des Universums, die unser Forschungsfeld im 3-D Abschnitt menschlicher Evolution darstellt.

4. Die verstandspezifische Ursachenfindung stellt die Erklärungsrichtung mit der Erfahrungsrichtung gleich. Die übliche Begrenzung der Kausalität auf die Gruppe bereits bekannter materiellen Faktoren blendet die Tatsache vollkommen aus, dass die wirklichen Ursachen der Erscheinungswelt sich nicht auf der imaginären Zeitlinie, sondern in der zeitfreien Urdimension befinden.

5. Das Bewusstsein als solches produziert in sich Phänomene, zieht sie auf und erzeugt daraus die Erscheinungswelten. Parallel zerstört es all diese einzelnen sich bis zur Wahrnehmbarkeit verdichtende Infoenergien. Dies geschieht durch den Akt des Erfassens. Primäre Produkte dieser Spaltung sind Information, die das Bewusstseinswachstum bewirkt, - und niedrig frequentierte Energie, die wiederum eine Nährumgebung für heranwachsende Phänomenprozesse bildet.

6. Ein Aspekt des kosmischen Bewusstseins, den wir als menschliches Bewusstsein bezeichnen, agiert partiell innerhalb der Raumzeit, einer Stufe auf der Intensitäts-Skala der Realität. Hier nimmt es diejenigen Prozesse wahr, die in unserem Schwingungsbereich frequentiert sind, die intensiv oder dicht genug für unsere Wahrnehmung auftreten.

7. All diese Prozesse werden von menschlichem Gehirn virtuell in Objekte und Handlungen gesplittert. Durch unser enges Wahrnehmungsfenster betrachten wir so winzige Netzabschnitte, dass wir sie sogar als separat voneinander existierende „Dinge" erfassen können.

8. Die begrenzte Aufnahmefähigkeit des menschlichen Gehirns zwingt uns zugleich, eine Wahrnehmungsreihenfolge aufzubauen. Der somit erzeugte unaufhörlicher Fluss der Eindrücke in- und durch unser Sinneskonstrukt löst das Gefühl der Fortbewegung aus - die Empfindung der Zeit.

9. Wir erleben in unserer linearen, eindimensionalen Zeit nur eine einzige Version der Welt-Realisierung. Unsere Zeitlinie in einem mehrdimensionalen „Wahrscheinlichkeits-Raum“ der Ewigkeit ist eine Erfahrungskette wahrgenommener Möglichkeiten. Der überwiegende Großteil dieses Realitäts-Netzwerkes mit allen parallelen Entwicklungen wird in die Erfahrungskette unseres täglichen Bewusstseins nicht miteinbezogen.

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So, schlicht und ergreifend. Ich hab's doch zu Ende gebracht, bevor ich dieses Essay zu hassen begann. Und? War es rund? Eigentlich schon. Vielleicht sogar zu rund. Mein geliebter gesunde Menschenverstand hat unterwegs doch viele Kanten poliert und einige herausragenden Fragezeichen blitzschnell ausradiert...

Gleich schalte ich meinen kleinen intelligenzlosen Helfer aus, zuvor aber ein praktischer Tipp für Sie - der einzige in diesem ganzen Text. Das schulde ich meinem Freund Christoph Wirges. Er fragte mich einmal plötzlich nach den brauchbaren Aspekten meiner "Theorie".

Entrüstet über diesen ungeahnten Utilitarismus, verweigerte ich zunächst jegliches Schielen in Richtung Nützlichkeit. Jetzt habe ich aber aus sozialen Überlegungen doch noch eine Existenzberechtigung für meine Zeitforschung gefunden. Hier ist sie: Wenn Sie morgen auf der Autobahn ein Schild "Geschwindigkeitsbegrenzung 80 km/h" passieren, seien Sie sicher: Ursache dafür ist vorne - eine scharfe Kurve oder eine Baustelle - und nicht hinter Ihnen :-)

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